Asien
Südostasien: Impfungen, Reiseapotheke, medizinische Situation
basierend auf einem Text von Solveig Michelsen
Gesund und sicher durch Südostasien: Welche Impfungen, Medikamente und Vorsichtsmaßnahmen für Reisen nach Thailand, Vietnam, Kambodscha & Co. empfohlen sind – inklusive aktueller Tipps zu Mückenschutz, medizinischer Versorgung und Reiseapotheke.
Wohin soll die Reise gehen? Nach Thailand oder Vietnam oder quer durch Laos und Kambodscha? Für diese Länder sollte man sich nicht nur die aktuellen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes ansehen, sondern sich auch mit gesundheitlichen Risiken und medizinischen Gegebenheiten auseinandersetzen.
Welche Impfungen brauche ich? Welche Medikamente gehören ins Gepäck? Und was, wenn die medizinische Versorgung vor Ort unzureichend ist?
Hier ein aktualisierter Überblick, was du über das Gesundbleiben und Krankwerden in Südostasien wissen solltest.
Allgemeine Gesundheitsrisiken in Südostasien
Zu Südostasien fällt den meisten Reisenden Gleiches ein: der berühmte Reisedurchfall. Kaum jemand, der sich länger in Thailand, Vietnam, Laos, Kambodscha oder anderen südostasiatischen Staaten aufhält, bleibt davon verschont. Neben Magen-Darm-Problemen machen vor allem Hitze, Feuchtigkeit und Insekten vielen Reisenden zu schaffen. Ein Überblick über die größten Gesundheitsrisiken ist das A und O zur Vorbeugung.
Durchfall
„Cook it, peel it, or leave it“ – kochen, schälen oder sein lassen. Trotz Vorsicht bekommt etwa jeder zweite Tropenreisende eine Episode von Durchfall. Solange kein Fieber oder Blut im Stuhl auftreten, genügt Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. Bei stärkeren Beschwerden oder Fieber sollte ärztliche Abklärung erfolgen – mögliche Ursachen reichen von bakteriellen Infekten bis zu Malaria tropica.
Hitze
Die tropische Feuchtigkeit belastet den Kreislauf. Viel Wasser trinken, körperliche Anstrengung langsam steigern und auf ausreichende Elektrolytzufuhr achten. Der Körper braucht bis zu zwei Wochen, um sich ans Klima zu gewöhnen.
Moskitos
Stechmücken sind nicht nur lästig, sondern Überträger ernsthafter Krankheiten wie Dengue, Chikungunya, Zika oder Malaria. Ein wirksames Mückenschutzmittel (mindestens 30 % DEET oder Wirkstoffe wie Icaridin) ist Pflicht. Nachts Moskitonetze verwenden, tagsüber lange, helle Kleidung tragen und Fenster abdichten.
Weitere Insekten, Quallen und Schlangen
Manche Betten haben ein paar Mitschläfer: Wanzen und Läuse. Beide sind harmlos, aber lästig. Die Läuse sind oft nur mit speziellen Läusemitteln wieder loszubekommen. Auch Zecken gibt es in Südostasien. Hier sollte man dieselben Vorsichtsmaßnahmen ergreifen wie zu Hause: Bildet sich eine auffällig Hautzeichnung um die Bissstelle oder treten Fieber und Gliederschmerzen auf, sollte man baldmöglichst einen Arzt konsultieren. Blutegel sind dagegen harmloser, weil sie keine Krankheiten übertragen. Um die Bisswunden nicht infizieren zu lassen, kann man ein Antiseptikum auftragen.
Quallen gibt es in südostasiatischen Gewässern zuhauf. Die meisten sind zwar schmerzhaft, aber nicht sonderlich gefährlich. Die beste Erste-Hilfe-Maßnahme: Essig auf die betroffenen Stellen auftragen. Das verhindert die Auslösung des Nesselgifts. Unter den vielen Schlangenarten existieren auch einige giftige. Nach einem Biss keinesfalls das Gift aussaugen, wie es in manchen Abenteuerfilmen gezeigt wird, sondern nur in Richtung Herz abbinden. Betroffenes Körperteil ruhig stellen und so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.
Hautkrankheiten
Die feuchte Hitze kann die Entstehung von Pilzkrankheiten begünstigen. Rote juckende Flecken in Arm- und Kniebeugen, an den Leisten oder zwischen den Zehen bzw. helle Flecken auf Rücken, Brust und Schultern deuten auf einen Pilzbefall hin. Fungizidsalben und sorgfältige Pflege der Wunden helfen hier weiter. Auch Schnitte und Kratzer (besonders von Korallen) entzünden sich im tropischen Klima leichter als zu Hause und sollten deshalb sofort desinfiziert und steril gehalten werden.
Sonnenbrand
Last but not least: der Sonnenbrand. Da dieses Risiko von daheim zur Genüge bekannt ist, soll an dieser Stelle nur darauf hingewiesen werden, dass auch an bedeckten Tagen das Risiko recht hoch ist, durch Lichtbrechung an Nebel- oder Regentagen unter Umständen sogar noch höher als gewöhnlich.
Typische Krankheiten in Südostasien
Die Liste der möglichen Krankheiten in Südostasien ist lang und klingt gefährlich exotisch. Dennoch können die meisten mit gesundem Menschenverstand, prophylaktischen Impfungen, einer gut ausgestatteten Reiseapotheke und ein paar Vorsichtsmaßnahmen einfach vermieden werden.
Malaria
Das Risiko besteht inzwischen nur noch in ländlichen und Grenzregionen, etwa in Myanmar, Laos, Kambodscha und Indonesien. In Städten und Touristenzentren ist das Infektionsrisiko sehr gering. Wer abgelegene Gebiete besucht, sollte eine medikamentöse Prophylaxe oder mindestens eine Stand-by-Behandlung mit Tropenmediziner festlegen.
Denguefieber
Diese Virusinfektion hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und ist die häufigste Mückenkrankheit in Südostasien. Besonders während der Regenzeit und in urbanen Gebieten besteht Ansteckungsgefahr. Eine Impfung steht inzwischen zur Verfügung, wird aber nur für bestimmte Personen empfohlen. Schutz durch Mückensprays bleibt daher die wichtigste Maßnahme.
Chikungunya und Zika
Beide Krankheiten ähneln dem Denguefieber, verlaufen jedoch meist milder. Impfungen existieren keine; vorbeugend hilft nur Mückenschutz. Zika ist insbesondere für Schwangere riskant.
Hepatitis
Hepatitis A und B sind noch immer weit verbreitet, Impfungen werden dringend empfohlen.
Leptospirose
Nach Kontakt mit verunreinigtem Wasser möglich, etwa bei Rafting oder bei Überflutungen – vor allem in Thailand und Malaysia. Antibiotische Behandlung hilft in der Regel gut.
Tollwut
Tollwut ist weiterhin verbreitet, besonders in Thailand, Vietnam, Indien und auf Bali. Eine Impfung empfiehlt sich bei längeren Aufenthalten oder häufigem Tierkontakt, da Postexpositionsimpfstoffe nicht überall verlässlich erhältlich sind.
Masern, Typhus, Tuberkulose
Masern treten vermehrt wieder auf – Impfschutz prüfen!
Typhus und Tuberkulose sind bei längeren oder einfachen Reisebedingungen ebenfalls ein Thema, die jeweiligen Impfungen können sinnvoll sein.
Empfohlene Impfungen für Südostasien
Für einige Krankheiten gibt es eine einfache und wirksame Vorbeugung: die Impfung. Neben den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Impfungen für Südostasien sollte man sich von einem Tropenmediziner über weitere mögliche oder nötige Schutzimpfungen beraten lassen – je nach Reiseziel, Aufenthaltsart und -dauer.
Bei direkter Einreise bestehen keine Impfpflichten; nach Aufenthalt in Gelbfiebergebieten kann jedoch ein Nachweis verlangt werden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt folgende Schutzimpfungen:
- Diphtherie / Tetanus (Auffrischung alle 10 Jahre)
- Polio (eine Auffrischung im Erwachsenenalter)
- Hepatitis A und B
- Typhus
- Masern / Mumps / Röteln
- Tollwut (je nach Reiseart)
- Japanische Enzephalitis (für längere Landaufenthalte)
- COVID‑19 (Grundimmunisierung + aktuelle Auffrischung)
FSME-Impfung ist für Europa relevant, nicht für Südostasien. Die alte Tuberkuloseimpfung ist weiterhin nicht empfohlen.
Kosten: Viele Krankenkassen übernehmen Reiseimpfungen.
Zeitplanung: Spätestens sechs Wochen vor Reisebeginn beim Tropenmediziner beraten lassen.Aktuelle Infos: Informiere dich immer auf der offiziellen Seite des RKI nach empfohlenen Reiseimpfungen.
Reiseapotheke für Südostasien
Je nach Sicherheitsbedürfnis und Reiseart sollten mehr oder weniger Medikamente mit ins Gepäck. Ein Pauschaltourist hat sicherlich weniger zu befürchten als ein Abenteurer, der sich durch den Dschungel schlägt. Doch in beiden Fällen gilt: Die vor Ort erhältlichen Medikamente sind oft nicht in der Qualität, wie wir es gewohnt sind. Außerdem liegt nicht immer ein lesbarer Beipackzettel vor. Bevor man sich also auf Unbekanntes einlässt, empfiehlt sich die Mitnahme von geeigneten Mittelchen – diese am besten mit einem Reisemediziner absprechen!
- Antibiotikum gegen bakterielle Infekte (vom Tropenmediziner empfohlen)
- Schmerz‑ und Fiebermittel (Paracetamol, Ibuprofen)
- Elektrolytlösung bei Durchfall und Hitze
- Antihistaminikum / Kortisonsalbe für Insektenstiche
- Desinfektionsmittel und sterile Kompressen
- Durchfallmittel (Imodium nur zur Symptomlinderung)
- Sonnenschutzmittel mit hohem Faktor
- Mückenschutzspray (DEET oder Icaridin)
- Medikamente gegen Reiseübelkeit
- ggf. sterile Einmalspritzen (außer im Handgepäck)
- Wasserentkeimungsmittel oder Filter
- persönliche Dauermedikation
Medizinische Versorgung in Südostasien
Der Versorgungsstandard schwankt immer noch stark zwischen Stadt und Land: von internationalem Niveau bis hin zu kaum vorhandener Grundversorgung.
Singapur: Sehr hoher medizinischer Standard; erste Adresse für ernsthafte Behandlungen.
Thailand: Gut ausgebaute Privatkliniken, insbesondere in Bangkok und Chiang Mai.
Malaysia: In Kuala Lumpur und größeren Städten gute, englischsprachige Ärzte.
Vietnam: In Hanoi und Ho‑Chi‑Minh‑Stadt zunehmend hochwertige Privatkliniken.
Kambodscha: Grundversorgung eingeschränkt, internationale Kliniken in Phnom Penh und Siem Reap verbessern die Situation.
Laos: Versorgung einfach, bei ernsten Fällen Rücktransport nach Thailand ratsam.
Indonesien: Großstädte mit akzeptabler Versorgung, in entlegenen Regionen oft mangelhaft.
Myanmar: Seit dem politischen Umsturz 2021 stark verschlechterte Lage; medizinische Versorgung vielerorts unzureichend.
Tipp: Eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rückholservice ist in Südostasien unverzichtbar.