Frankreich

Frankreich - Zwei Küsten zum Küssen

Digital Redaktion
basierend auf einem Text von Olaf HeiseStefanie Lettow
vom 18.10.2025
© Alexandre.ROSA, ShutterstockBlick auf den Pointe des Poulains, die Westspitze von Belle-île in der Bretagne.

Im Norden Frankreichs treffen in der Bretagne und in der Normandie raue Atlantikbrandung, weite Strände und französische Lebenslust aufeinander. Wir stellen dir zwei unterschiedliche Orte zum Verlieben vor.

Wunderbar weite Strände, mystische und bewegende Geschichte und dazu köstlichen Käse, Calvados und frische Meeresfrüchte - in der Bretagne und Normandie gibt es das perfekte Urlaubsmenü.

Wilde Hotspots für Surfer und Wanderer in Finistère

© Breizh pix, Shutterstock
Cap Sizun auf der Halbinsel Crozon.

Mit lautem Getöse rollen die haushohen Brecher vom Atlantik heran und krachen auf den Fels, dass die Gischt nur so spritzt. An der kleinen Landzunge der Pointe de la Torche treiben die Surfer wie Spielzeugfiguren auf dem Meer. Bis die Welle bricht - dann brettern sie mit einem Affenzahn die steile Wasserwand hinunter. Allein das Zugucken ist schon ein Spektakel. Finistère, der westlichste Zipfel der Bretagne, ist der Treffpunkt für Wassersportler. Überall sieht man an den weiten Stränden junge Leute in Neoprenanzügen und bunten Surfer-Outfits: Wellenreiter, Stand-up-Paddler, Kiter und Strandsegler, die bei Ebbe mit bis zu 100 Stundenkilometern über den harten Sand flitzen.

Perfekte Spots gibt es reichlich, etwa in der Baie des Trépassés am Cap Sizun oder der Plage de Goulien auf der Halb­insel Crozon. La Torche gilt jedoch als abso­lutes Highlight; regelmäßig pilgert die Funsportgemeinde zu internationalen Wettkämpfen an den Dünenstrand. Anfänger sollten aber besser in ruhigerer See aufs Brett steigen, warnt Thomas Joncour, der in der Nachbarbucht die Surfschule "29 Hood" betreibt. "Die extreme Strömung ist hier an vielen Stellen lebens­gefährlich." Wie tückisch die raue, zerklüftete Küste von Finistère daherkommt, zeigt sich unter Wasser: Der Meeresgrund ist gespickt mit Riffen und Hunderten von Schiffswracks - ein Paradies auch für Taucher (wegen der Strömung nie ohne Guide). 1978 zerschellte hier im Sturm der Ölriese Amoco Cadiz. Kein Wunder also, dass die Gegend mit Leuchttürmen gepflastert ist.

Sanfteres Aktivprogramm

Einer der weltweit stärksten, der Phare du Créac'h, steht samt Museum auf der Île d'Ouessant, einem windumtosten Eiland westlich der Hafenstadt Brest. Über 50 Kilometer weit strahlen seine Leuchtfeuer und weisen den Schiffen den Weg in den Ärmelkanal. In den weniger stürmischen Sommermonaten kann man die karge Insel vom Fischerort Le Conquet per Fähre erreichen - oft von Delfinen begleitet (Tickets vorher buchen!). Überhaupt zeigt sich Finestère in der warmen Jahreszeit gern auch von der sanften Seite.

Wer nichts mit waghalsigen Kapriolen auf dem Wasser am Hut hat, kann wunderbar Rad fahren oder die wildromantische Landschaft zu Fuß entdecken. Der Fernwanderweg GR34 (Sentier des Douaniers) verläuft zum Beispiel auf über 2000 Kilometern einmal rings um die bretonische Küste. Eine der schönsten Etappen liegt auf der Halbinsel Crozon und führt südlich von Morgat zum Cap de la Chèvre. Auf dem 13 Kilometer langen Pfad wandert man durch eine prächtig blühende Heidelandschaft vorbei an einsamen Buchten mit türkisblauem Wasser bis zum Ende der Steilküste.

Tipp: Fahre von Crozon aus zum Gipfel des 330 Meter hohen Ménez Hom. Hier hat man eine grandiose Aussicht. Mutige segeln per Gleitschirm hinunter zur Küste. Perfekt zum Radeln sind die Voies Vertes und die Velodyssey. Die führen auch durch das grüne Landesinnere, an Flüssen und stillgelegten Bahntrassen entlang. Unterwegs stärkt man sich mit ­frischem Fisch und allerlei Krustengetier - das Meer ist in Finistère überall.

Kultur und Feiern in Carnac & Belle-Île

© margouillat photo, Shutterstock
Blick auf die Menhire von Carnac.

"Willkommen in einem der großartigsten Bauprojekte der Steinzeit", verkündet Reiseführerin Véronique Martin, während sie vorneweg durch das feuchte Gras stapft. Geheimnisvolle Nebelschwaden ziehen am Morgen über die Wälder und Wiesen bei Carnac, einem kleinen Dorf an der bretonischen Südküste. Genau die richtige Kulisse, um eine der größten touristischen Attraktionen der Gegend zu bestaunen: die Menhire von Carnac. Wie an einer Perlenschnur aufgezogen stehen hier Tausende Hinkelsteine ("Menhir" heißt auf bretonisch "langer Stein") in parallel verlaufenden Reihen über mehrere Kilometer mitten in der Landschaft. Manche der Granitbrocken sind über vier Meter hoch, die kleinsten wiegen bereits Tonnen. Ein bisschen skurril sieht das irgendwie aus, und man denkt unweigerlich an Obelix und seine rebellischen Gallier.

"Tatsächlich aber sind die Megalithfelder von Carnac das größte prä­historische, von Menschen errichtete Monument der Welt", erklärt Madame Martin. Wissenschaftler datieren die Steinreihen in die Zeit zwischen 5000 bis 3000 v. Chr., damit sind sie sogar älter als die berühmten Megalithen von Stone­henge. Wer die Kaventsmänner hierher­geschafft und senkrecht in die Erde gesteckt hat, ist bis heute jedoch ebenso unklar wie ihre genaue Bedeutung. Die Theorien reichen von der Totenverehrung bis hin zu astronomischen Funktionen und religiösen Zwecken.

Beach Life à la Française

Wie auch immer, spätestens wenn sich der Nebel verzogen hat und die Sonne durch die Wolken bricht, ist es Zeit, sich vom Acker zu machen - das Beach-Life wartet. Das pulsiert in der Bretagne nämlich nirgends besser als an der golfstrom-milden Südküste, wo in den Gärten sogar Palmen und Kakteen gedeihen. Tipp: Von Carnac aus die nahe Halbinsel Quiberon ansteuern und mit der Fähre zur Belle-Île übersetzen. Die größte und schönste bretonische Insel zog bereits Künstler wie den Impressionisten Claude Monet in ihren Bann, der hier Dutzende Bilder von der Côte Sauvage, der wilden Küste, malte. Im Hochsommer ist auf Belle-Île tout le monde unterwegs. Wer sich im freundlichen Hafenstädtchen Le Palais mit seinen bunten Fassaden ein Fahrrad oder einen Motorroller mietet, findet in einer der vielen abgelegenen Buchten der Insel aber schnell ein lauschiges Plätzchen für ein entspanntes Picknick am Meer. Unbedingt angucken: die bizarren Klippen von Port-Coton und Port-Goulphar an der Südküste.

Sehenswert ist auch der winzige Fischerort Sauzon. Den fangfrischen Fisch fürs Essen putzt der Restaurant-Koch hier gern mal schnell direkt am Kai. Abends geht's zurück nach Le Palais, wo man am Hafen und in den kleinen Gassen das unbeschwerte Sommer-Lebensgefühl genießt. Das Städtchen ist jetzt rappelvoll mit jungen Menschen, überall spielen Straßen­musiker und auf den Terrassen der Bars und Cafés wird manchmal noch bis spät in die Nacht getanzt. Magnifique!

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